Deutscher Bühnenverein

Einzelne Theaterberufe

Chorsänger/in

Berufsbild

Den Beruf des Chorsängers gibt es seit rund 200 Jahren. Der heutige Opernchor ist ein geschlossenes Ensemble innerhalb des Theaters von professionell ausgebildeten Sängern. Opernchöre in Deutschland bestehen aus zwischen 24 und 120 Mitgliedern, wobei eine Mindestanzahl von Sängern pro Stimmgruppe im Interesse eines homogenen Klanges notwendig ist. Der Chor ist in der Regel in acht Stimmgruppen eingeteilt (jeweils zwei Sopran-, Alt-, Tenor- und Bassstimmen). In besonderen Fällen kann ein Austausch unter benachbarten Gruppen vorgenommen werden und auch eine Beschäftigung in kleineren Solopartien oder auch solistische Aufgaben innerhalb des Chores (Chorsoli) können im Arbeitsvertrag vorgesehen sein.

Wie beim Solisten ist der Chorvertrag befristet; es gibt also keine Dauerstellung, was im Interesse der künstlerischen Leistungen des Theaterbetriebes bzw. eines auf lange Sicht gleichbleibenden chorischen Niveaus sinnvoll ist. Allerdings sind die Arbeitsbedingungen -anders als beim Solisten- durch Tarifrecht umfassend geregelt. Es existiert, insbesondere bezogen auf die Beendigung befristeter Arbeitsverträge, ein gewisser Sozialschutz.

Aufgrund der historischen Entwicklung ergibt sich für das Berufsbild des (Opern-) Chorsängers die Anforderung an einen Sängerdarsteller mit stilistischer Versiertheit, die von der Barockoper bis zum zeitgenössischen Musiktheater, von der Spieloper bis zum Musical reicht. Die Stimme sollte sich deshalb in den Gesamtklang integrieren und je nach Anforderung lyrisch, dramatisch oder buffonesk gefärbt werden können. Ein Chorsänger hat außergewöhnliche Gedächtnisleistungen zu erbringen, da er ständig eine größere Anzahl musikalisch unterschiedlicher Werke in verschiedenen Sprachen beherrschen muss. Die szenische Darstellung verlangt überdies vom Chorsänger hohe Eigenständigkeit und Verantwortung in der szenischen Gestaltung bei gleichzeitigem Bewusstsein für die Rolle des gesamten Chorensembles. Anders als ein Solist erhält er relativ wenig Probenzeit innerhalb der Erarbeitung eines Opernwerks, dagegen hat er vergleichsweise häufigere Wiederholungen von Vorstellungen. Motivation, Entwicklung und Training in stimmlicher und darstellerischer Hinsicht ist deshalb ebenso gefordert wie beim solistischen Sänger, nur der Grad an Exponiertheit auf der Bühne als individueller Sänger variiert je nach Rolle, Inszenierung und Werk.

Voraussetzungen

Grundsätzlich müssen Sänger in Opernchören eine überdurchschnittliche Musikalität sowie eine solide und souveräne Gesangstechnik besitzen, um den besonderen Anforderungen des komponierten Chorsatzes – u.a. Vielstimmigkeit des Chorsatzes, den A-Capella-Passagen, solistischen Einschüben, dem vorgesehenen Tonumfang und auch speziellen Artikulationsweisen bei zeitgenössischen Werken – gerecht werden zu können. Die Stimme soll tragfähig und klingend sein und vor allem in der Mittellage Strapazierfähigkeit beweisen. Neben psychischer und physischer Stabilität sollte der Chorsänger auch über gute darstellerische Fähigkeiten und eine gute Kondition verfügen. In der Regel setzt dies ein mehrjähriges Gesangsstudium voraus. In Vorsingen am jeweiligen Opernhaus weist man seine Eignung und seine Leistungsfähigkeit für den Beruf nach. In der Regel ist für jede Stimmgruppe zusätzlich ein bestimmter Arienkanon (»Pflichtstücke«) festgelegt, und es wird der Nachweis in Fähigkeiten des »Vom-Blatt-Singens« verlangt. Auch Kollektivfähigkeit und soziale Kompetenz sind wichtig.

Es ist daher von Vorteil, sich bei Interesse frühzeitig für den Beruf des Chorsängers zu entscheiden, da das Singen im Chor andere Fertigkeiten erfordert als das solistische Singen. Bei den meisten Chören besteht zudem für den Berufsanfang eine Altersgrenze, die je nach Stimmfach zwischen 35 (Frauenstimmen) und 40 Jahren (Männerstimmen) liegt.

Ausbildung

In der Regel setzt der Beruf des Chorsängers ein mehrjähriges Gesangsstudium voraus. Um sich über ihre grundsätzliche Eignung für den Beruf des Opernchorsängers Klarheit zu verschaffen, können interessierte Laiensänger im Extra-Chor eines Opernhauses die nötigen Erfahrungen sammeln. Der Extra-Chor wird engagiert, wenn die Größe des hauseigenen Chores nicht ausreicht oder auch wenn spezielle Anforderungen des Opernwerks gegeben sind.

Für ein Gesangsstudium ist eine weiterführende Schulbildung vorteilhaft. Meist erfolgt nach einer Eignungsprüfung an einer Musikhochschule eine solistische Gesangsausbildung mit szenischem Unterricht und vorzugsweise Musiktheater- oder Opern- Schwerpunkt von drei bis fünf Jahren mit dem Abschluss Bachelor oder Diplom. An diese kann sich ein Masterstudium von zwei Jahren anschließen. Hier bieten einige Hochschulen einen speziellen Studiengang »Opernchor« an, andere bilden nur zum Solisten aus, was aber der späteren Entscheidung für die Chorlaufbahn nicht entgegensteht. Der Zeitaufwand für das Studium beträgt ohne das eigene Üben und privates Literaturstudium zwischen 15 und 30 Wochenstunden. Wie beim Solisten ist ein Nebeninstrument (Klavier) obligatorisch, Interesse und Freude an szenischer Gestaltung notwendig.

Für den Eintritt in den Beruf wird im Studium ein Repertoire an Vorsinge-Rollen und -Arien erarbeitet, das für die Vorsingen qualifiziert.

Vgl. auch die Informationen zum Solosänger.

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