Kulturpolitische Papiere

Der Deutsche Bühnenverein trauert um Sir Peter Jonas

Köln, 24.04.2020

Zum Tod von Sir Peter Jonas

Mit großer Betroffenheit mussten wir am gestrigen Donnerstag zur Kenntnis nehmen, dass Sir Peter Jonas, Intendant der Bayerischen Staatsoper von 1993 bis 2006, den Kampf gegen den Krebs, den er über Jahrzehnte hinweg mit unfassbarer Tapferkeit und Energie ausfechten musste, nun verloren hat. Jonas' Berufung an das altehrwürdige Münchner Opernhaus leitete damals einen Epochenwechsel ein: Auf die altehrwürdige Oper von Wolfgang Sawallisch, die sich zuletzt im Traditionalismus zu erschöpfen drohte, folgte der witzige, intellektuell brillante Brit-Pop des gebürtigen Londoners, dessen Regisseure insbesondere die Opern Händels mit Comic-Zitaten, putzmunterer Personenführung und greller Opulenz in die Gegenwart katapultierten. Der riesige Tyrannosaurus Rex, mit dem Regisseur Richard Jones und sein Ausstatter Nigel Lowery Händels „Giulio Cesare in Egitto" auf die Sprünge halfen, wurde geradezu zur Ikone für diesen neuen Münchner Opernstil. Vorbildlich war aber Jonas' sein Einsatz für die zeitgenössische Oper, der in den vierzehn Uraufführungen während seiner Amtszeit zum Ausdruck kam.

Sir Peter war aber auch eine Persönlichkeit von unverwechselbarem Gepräge. 1974 war er als Assistent des Generalmusikdirektors Sir Georg Solti zum Chicago Symphony Orchestra gekommen, zwei Jahre später war er bereits dessen künstlerischer Betriebsdirektor, 1984 wurde er Generaldirektor der English National Opera. Die Berufung nach München war dann ein beträchtlicher Karrieresprung und eine durchaus mutige Personalentscheidung des Freistaates Bayern. Jonas, 1999 von Elizabeth II. zum Sir geadelt, bereicherte die Landeshauptstadt nicht nur durch seine eigenwillige und weithin beachtete Opernprogrammatik, sondern auch durch seine Lust an der zugespitzten Auseinandersetzung, der sarkastischen Pointe, mit der er seine Idee eines zeitgenössischen Musiktheaters gegen jeden routinierten Traditionalismus und auch gegen die Usancen des Sängerstar-Theaters verteidigte. Auch wir beim Bühnenverein durften ihn als wunderbar amüsanten Gesprächspartner wie auch harten und bissigen Verteidiger seiner Standpunkte kennen- und schätzen lernen.

Sir Peter Jonas hat das Münchner Opernleben geprägt und das deutsche wie auch das internationale Musiktheater künstlerisch enorm bereichert. Er starb mit 73 Jahren.

Ulrich Khuon, Präsident des Deutschen Bühnenvereins

Marc Grandmontagne, Geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins

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