Kulturpolitische Papiere

„Theater, Opern- und Konzerthäuser sind keine Infektionsorte“

Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsident*innen der Länder

Köln, 28.10.2020

An die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland

Frau Dr. Angela Merkel

An die Damen und Herren Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Bundesländer

Nachrichtlich: An die Minister*innen und Senator*innen für Kultur der Bundesländer

 

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
sehr geehrte Damen und Herren Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten,

wenn Sie morgen am 28.10.2020 zusammen konferieren, um über Maßnahmen zur Eindämmung der Coronakrise zu beraten, werden viele Kulturschaffende mit großer Sorge auf das Ergebnis der Gespräche warten.

Als Stimme der Theater und Orchester in Deutschland richten wir als Deutscher Bühnenverein einen eindringlichen Appell an Sie: Bitte schließen Sie nicht die Zuschauerräume in Theatern, Opern und Konzertsälen.

Wir wissen, wie schwierig die Situation ist und selbstverständlich stehen wir an der Seite der Politik, um das uns Mögliche zu tun, dieser Pandemie Einhalt zu gebieten. Bitte nehmen Sie aber auch zur Kenntnis, dass unsere Zuschauerräume bisher keinen Beitrag zum Anstieg der Infektionen geleistet haben. Es ist uns zurzeit keine einzige Infektion bekannt, die auf einen Besuch im Zuschauerraum eines Theaters, einer Oper oder eines Konzertsaales zurückzuführen ist. Dafür verantwortlich sind strenge Hygienekonzepte mit klaren Regeln, an die sich alle halten: Abstand, Mund-Nasen-Schutz, Wegeführungen für das Publikum, Desinfektion und leistungsfähige Raumlufttechnik, die für permanenten Frischluftaustausch sorgt. Aus Gesprächen mit dem Umweltbundesamt wissen wir, dass ein dreimaliger Austausch der Innenluft mit Frischluft das Infektionsrisiko wirksam eindämmt. Eine Massenansteckung („Superspreader-Event") ist aus physikalischen Gründen hier nicht möglich! Theater, Opern- und Konzerthäuser sind erwiesenermaßen keine Infektionsorte. Deren übermäßige Einschränkung trägt daher nicht zur Eindämmung des Infektionsgeschehens bei, sie ist daher unverhältnismäßig.

Das Schließen dieser wichtigen öffentlichen Orte - gerade in diesen Zeiten - stiftet großen gesellschaftlichen Schaden und zerstört die Vertrauensbildung beim Publikum, das gerade dabei war, zu lernen, dass es bei uns seine Zeit geschützt vor Ansteckungen verbringen kann. Zudem würde die Existenz vieler kleiner und mittlerer Theater, insbesondere der Privattheater - gefährdet -  gleichzeitig fördert die Politik auf Bund- und Landesebene den Spielbetrieb zum Erhalt dieser unverzichtbaren kulturellen Orte unserer Gesellschaft.

Wir sehen die aktuelle Situation wie Sie mit großer Sorge. Allerdings bitten wir sehr darum, bei der Vereinbarung gemeinsamer Maßnahmen stärker zu differenzieren und den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zu wahren, damit die Schäden nicht größer sind als der Nutzen. Orte, an denen Menschen zusammenfinden, ohne dass sie sich einem Infektionsrisiko aussetzen, müssen auch nicht geschlossen werden, da keine Gefahr von ihnen ausgeht.

Wir wünschen Ihnen für Ihre morgigen Beratungen viel Erfolg und hoffen sehr, dass wir diese schwierige Zeit gemeinsam gut überstehen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Ulrich Khuon
Präsident des Deutschen Bühnenvereins

Marc Grandmontagne
Geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins

 

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