Schauspieler:in
Schauspieler:innen stehen im Theater auf der Bühne oder vor der Kamera am Filmset. In Theaterproduktion verkörpern und gestalten sie Figuren durch Sprache, Körperarbeit, Mimik und Bewegung. Der Beruf umfasst die Vorbereitung und Interpretation von Rollen, Probenarbeit sowie öffentliche Aufführungen vor Publikum.
Der Schauspiel-Beruf ist sehr vielfältig und von individuellen Fähigkeiten und Interessen abhängig. Je nach Tätigkeit arbeiten Schauspieler:innen fest im Ensemble eines Theaters oder freiberuflich in Gastproduktionen, der freien Szene oder für Film, Fernsehen oder Hörfunk.
An Stadt-, Staats- und Privattheatern arbeiten sie in Probenprozessen eng mit Regie, Dramaturgie, Bühnenbild, Kostüm und weiteren Gewerken zusammen.
Wie sieht der Berufsalltag von Schauspieler:innen aus?
Am Theater ist der Berufsalltag von Schauspieler:innen durch Proben-, Vorstellungs- und Vorbereitungszeiten strukturiert. Zu Beginn einer Produktion stehen Konzeptionsgespräche mit Leseproben und die Erarbeitung der Rollenfigur auf dem Tagesplan.
In den szenischen Proben wird gemeinsam mit der Regie eine Interpretation der Figur entwickelt und spielerische Vorgänge, Bewegungsabläufe, Timing und Interaktion mit dem Ensemble erarbeitet. Auch Choreografien und Gesang werden einstudiert. Parallel entstehen in Abstimmungen mit anderen Gewerken die Kostüme, Maske und Bühnenbild. Vor Premieren gibt es intensive Probenphasen, die sogenannten Endproben.
An Repertoire-Theatern werden mehrere Produktionen parallel geprobt und gespielt. Dadurch wechseln Schauspieler:innen teilweise täglich zwischen unterschiedlichen Rollen und Inszenierungen. Neben Mehrfachbesetzungen sind auch kurzfristige Umbesetzungen möglich. Die Arbeitszeiten sind oft unregelmäßig und hängen vom Spielplan und den Produktionen ab, für die Schauspieler:innen besetzt sind: Geprobt wird meist tagsüber, ergänzt von Vorstellungen, die überwiegend abends, am Wochenende und an Feiertagen über die Bühne gehen.
Je nach Theaterbetrieb wird auf unterschiedlichen Bühnen gespielt: Besonders im Tourneetheater gehören wechselnde Aufführungsorte zum Alltag. Aber auch an Landestheatern, die mit ihren Produktionen als Gastspiel an unterschiedliche Spielorte fahren. Anreisen zu Gastspielorten und späte Abreisen nach Vorstellungen prägen daher den Schauspiel-Alltag.
Neben dem Sprechtheater arbeiten viele Schauspieler:innen zusätzlich in Film-, Fernseh-, Hörspiel- oder Synchronproduktionen. Dort unterscheiden sich die Arbeitsabläufe deutlich vom Theaterbetrieb.
Befristete Engagements und Ortswechsel zwischen verschiedenen Häusern sind im deutschsprachigen Theaterbetrieb verbreitet.
Welche Aufgaben haben Schauspieler:innen?
Im Theater:
- Entwicklung von Sprache, Körperhaltung, Gestik und Bewegung einer Figur durch Probenarbeit
- Theatertexte, Dialoge und Monologe sowie Bewegungsabläufe erarbeiten und auswendig lernen
- Rollenanalyse anhand von Textvorlagen, Regieanweisungen und dramaturgischen Konzepten
- Zusammenarbeit mit Regie, Dramaturgie, Bühnenbild, Kostüm, Maske und Licht-, Video- und Tontechnik
- Schauspielen, Singen und Tanzen: in Aufführungen vor Publikum
- Teilnahme an Wiederaufnahmeproben und Umbesetzungen im Repertoirebetrieb
- Anpassung des Spiels an unterschiedliche Bühnenräume und Inszenierungskonzepte
- Mitwirkung bei Gastspielen, Tourneen oder Sonderformaten
Im Film und Fernsehen:
- Darstellung von Rollen für Film-, TV-, Hörspiel- oder Streamingproduktionen
- Eigenständige Vorbereitung Showreels
- Teilnahme an (Video-)Castings, Agenturterminen und Vorsprechen
Zusätzliche Tätigkeiten:
- Synchronsprechen
- Hörspielaufnahmen
- Moderation
- Workshops/Theaterpädagogik
- Arbeit für Film, Fernsehen, Hörspiel oder Synchronproduktionen
- Pflege der eigenen Stimme und körperlichen Fitness
Wie wird man Schauspieler:in?
Der Einstieg in den Beruf erfolgt in der Regel über ein Schauspielstudium an staatlichen Hochschulen, Kunstuniversitäten oder staatlich anerkannten privaten Schauspielschulen. Die Ausbildung dauert meist drei bis vier Jahre und wird je nach Institution mit einem Bachelor oder Master of Arts oder künstlerischem Diplom abgeschlossen.
Das sollte man mitbringen:
- besondere künstlerische Begabung einschließlich der dazugehörigen berufsspezifischen Anlagen und Fähigkeiten
Kreativität und Fantasie, um verschiedene Rollen glaubwürdig darzustellen - Teamfähigkeit, da man eng mit Regie, Ensemble und Technik zusammenarbeitet
- Gute Kommunikationsfähigkeit für Proben und Aufführungen
- Selbstbewusstsein und Bühnenpräsenz
- Einfühlungsvermögen, um Gefühle und Charaktere überzeugend darzustellen
- Ausdrucksstärke in Stimme, Mimik und Körpersprache
- Disziplin und Zuverlässigkeit bei Proben und Auftritten
- Belastbarkeit, um mit Stress, Kritik und Druck umzugehen
- Flexibilität, da Arbeitszeiten und Rollen unterschiedlich sein können
- Geduld und Durchhaltevermögen für den Weg zum Erfolg
- Konzentrationsfähigkeit, um Texte und Abläufe sicher umzusetzen
- Improvisationstalent für spontane Situationen auf der Bühne
- Offenheit für Feedback und die Bereitschaft, sich weiterzuentwickelnerfüllte Schulpflicht
- aktuelle ärztliche Attests über einen unbedenklichen Gesundheitszustand und eine den Anforderungen der Ausbildung entsprechende allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit sowie eine Bescheinigung der stimmlichen Eignung von HNO-Ärzt:innen
- bei ausländischen Bewerber:innen angemessene Beherrschung der deutschen Sprache
Schauspiel-Studium
Als formale Voraussetzungen für ein Schauspiel-Studium gilt die allgemeine Hochschulreife oder die mittlere Reife. An staatlichen Schauspielschulen ist die Aufnahmeprüfung ein Muss. Diese ist häufig mehrstufig und umfasst ein Vorsprechen mit vorbereiteten Monologen, Improvisation, Gesang und Bewegungsprüfung sowie Gespräche.
Studienplätze an staatlichen Schulen sind begehrt: Die Nachfrage ist sehr hoch, doch die Anzahl an Studienplätzen ist begrenzt – an vielen Hochschulen gibt es pro Jahrgang nur acht bis zwölf Plätze.
Während der Ausbildung werden u.a. Schauspieltechnik, Sprecherziehung, Bewegung, Rollenstudium sowie Bühnenpraxis vermittelt. Viele Hochschulen kooperieren mit Theatern, an denen Studierende bereits praktische Erfahrungen sammeln.
Auch eine Ausbildung an privaten Schauspielschulen ist möglich. Aufgrund der fehlenden staatlichen Anerkennung und den damit verbundenen hohen Studiengebühren, sind die Berufschancen jedoch geringer und die Kosten des Studiums erheblich teurer.
Typische Wege zum Berufseinstieg
- Vorsprechen bei Intendant:innen und künstlerischen Leitungen
- Erstengagement an Stadt- oder Landestheatern
- Mitwirkung in freien Produktionen oder Gastengagements
- Studentische Studio- und Hochschulproduktionen
- Netzwerkbildung über Regie- und Hochschulkontakte
- Kleine Rollen in TV- oder Filmproduktionen als Einstieg
Im Theaterbereich ist ein Quereinstieg ohne professionelle Ausbildung nur sehr selten möglich. Teilweise gibt es in der freien Szene, im Bereich der Performancekunst oder bei kleineren Film- und Werbeproduktionen Quereinstiegsmöglichkeiten.
Die Berufsbezeichnung »Schauspieler:in« ist in Deutschland nicht gesetzlich geschützt; im professionellen Theaterbetrieb wird jedoch überwiegend eine fundierte künstlerische Ausbildung oder Studium erwartet.
Weiterbildung
Mit zunehmender Berufserfahrung übernehmen Schauspieler:innen teilweise zusätzliche künstlerische oder leitende Aufgaben. Möglich sind etwa Tätigkeiten als Regisseur:in, Schauspieldozent:in, Coach für Sprecherziehung oder Leiter:in von Theaterprojekten und Ensembles. Einige spezialisieren sich auf Improvisationstheater, Performancekunst, Musical, Puppenspiel, Bewegungstheater oder Synchronsprechen. Im institutionellen Theater können erfahrene Ensemblemitglieder auch Aufgaben in der Nachwuchsförderung oder Produktionsentwicklung übernehmen.
Für Lehrtätigkeiten an Hochschulen oder staatlichen Schauspielschulen werden meist umfangreiche Bühnenpraxis und anerkannte künstlerische Qualifikationen erwartet.
Weiterbildungen sind unter anderem in Sprecherziehung, Gesang, Film-Schauspiel, Regie oder Theaterpädagogik möglich. Einige Schauspieler:innen erweitern ihr Tätigkeitsfeld später in Richtung Regie, Lehre, Coaching oder Produktionsentwicklung. Nicht alle Weiterbildungen sind bundesweit einheitlich geregelt.
Weiterbildung / Spezialisierung (Bat und ZAV)
- Camera Acting
- Synchronsprechen
- Musical
- Bühnenkampf
- Sprecherziehung
- Tanz- und Bewegungstraining
- Theaterpädagogik
- Regie oder Dramaturgie als spätere Spezialisierung
Weiterführende Links
In Deutschland, Österreich und der Schweiz bieten verschiedene Hochschulen Schauspiel-Studiengänge mit unterschiedlichen Schwerpunkten an.
Hochschulen in Deutschland
Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg, Ludwigsburg
Athanor Akademie – Fachakademie für Darstellende Kunst Passau
Folkwang Universität der Künste Essen
Hochschule für Film und Fernsehen »Konrad Wolf« Potsdam
Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main
Hochschule für Musik und Theater Hamburg
Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover
Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn-Bartholdy« Leipzig
Hochschule für Musik und Theater München
Hochschule für Musik und Theater Rostock
Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« Berlin
Otto-Falckenberg-Schule München
Staatliche Hochschule für Musik und darstellende Kunst Stuttgart
Theaterakademie »August Everding« München
Universität der Künste Berlin
Hochschulen in Österreich:
Hochschulen in der Schweiz
Verbände
Quellen
Das Informationsangebot basiert auf der Broschüre »Berufe am Theater«, herausgegeben vom Deutschen Bühnenverein, aktualisierte und überarbeitete zehnte Auflage 2020/21. Zur Recherche wurde zudem auf das Online-Informationsmaterial von BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit zurückgegriffen. Die redaktionelle Aufarbeitung und Recherche erfolgte mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz.