Solosänger:in

Solosänger:in

Musiktheater, Konzerte oder klassische Musikfestivals: Solosänger:innen stehen auf zahlreichen Bühnen im Rampenlicht. Sie sind der Mittelpunkt von Aufführungen und werden als Stars gefeiert. Zahlreiche Operndiven und legendäre Opernsänger haben die Musikgeschichte geprägt.

Die eigenen stimmlich-physischen Voraussetzungen bestimmen dabei das sogenannte Stimmfach von Solosänger:innen: Sopran, Mezzosopran oder Alt bei Frauen und Tenor, Bariton oder Bass bei Männern. Umfang und Volumen der Stimme sowie darstellerische Fähigkeiten grenzen das Stimmfach weiter ein, sodass sich jede der drei weiblichen und männlichen Stimmlagen grob unterteilen lässt in:

  • dramatisches Fach, in dem weiter Umfang und große Tragfähigkeit gefordert werden,
  • lyrisches Fach, das sich durch angenehmes Timbre und Höhensicherheit auszeichnet,
  • Spiel-Fach (Soubrette/Buffo), für das gesangliche und spielerische Beweglichkeit gefragt sind.

Übergangsstufen – sogenannte Zwischenfächer – und Sonderbereiche wie Koloratursopran, Kontraalt oder Countertenor, ergeben sich nur bei besonderer Stimmlage oder gezielter Weiterentwicklung im Berufsleben.

Wie sieht der Alltag als Solosänger:in aus?

Kein Tag ist wie der andere: Der Berufsalltag von Solosänger:innen ist durch Proben, individuelle Vorbereitung und Vorstellung geprägt. Während Produktionsphasen arbeiten Solosänger:innen eng mit Dirigent:innen, Orchestern, Chören und technischen Abteilungen zusammen. Bei musikalischen Proben erarbeiten Solosänger:innen gemeinsam mit Repetitor:innen die musikalischen Details. Anschließend folgen szenische Proben mit Regisseur:innen, Bühnenproben sowie Kostüm- und Maskenanproben. Der Weg bis zur Premiere erfordert dabei einen »langen Atem«. Besonders die Endprobenphasen sind oft kräftezehrend, wenn sechs Tage in der Woche geprobt wird und Solosänger:innen dabei viele Dinge gleichzeitig jonglieren müssen: den Einsatz, das Tempo, die Handlung, den eigenen Text, der oft auf Italienisch, Französisch oder Russisch ist, Stimmtechnik und die Regie.

Neben Aufführungen gehören eigenständiges Stimmtraining, das Lernen neuer Rollen, Sprachstudium sowie körperliche Regeneration zum Berufsalltag.

Fest engagierte Solosänger:innen an Opernhäusern haben häufig einen regelmäßigen Vorstellungs- und Probenplan innerhalb einer Spielzeit. Freischaffende Sänger:innen organisieren dagegen zusätzlich Akquise, Vorsingen, Vertragsverhandlungen und Reiseplanung selbstständig. Wettbewerbe, Agenturkontakte und internationale Gastspiele spielen insbesondere in der Freiberuflichkeit eine wichtige Rolle.

Aufgaben von Solosänger:innen

Professionelle Solosänger:innen interpretieren Gesangsstücke in unterschiedlichen Genres wie Oper, Operette, Musical, Alte Musik (Barock), Pop oder Jazz. Der Beruf verlangt neben stimmlicher Exzellenz auch starke Bühnenpräsenz, Notenkenntnisse, Disziplin und körperliche Fitness.

  • Einstudierung von Opern-, Konzert- oder Oratorienpartien in verschiedenen Sprachen
  • Musikalische Proben mit Repetitor:innen und Dirigent:innen
  • Szenische Proben mit Regieteams
  • Darstellung und Interpretation von Bühnenrollen
  • Auftritte in Opern-, Konzert- und Festivalproduktionen
  • Kontinuierliches Stimmtraining und Gesangstechnik
  • Teilnahme an Vorsingen und Wettbewerben
  • Pflege und Erweiterung des persönlichen Repertoires
  • Eigenständige Organisation von Gastengagements bei freiberuflicher Tätigkeit
  • Öffentlichkeitsarbeit und Selbstvermarktung, insbesondere in der freien Szene

Wie wird man Solosänger:in?

Als Solosänger:in braucht man neben einer stimmlichen Begabung und Disziplin vor allem Freude an Musik. Um die eigene Stimme auszubilden, beginnen viele Solosänger:innen bereits im Kindesalter mit Gesangsunterricht an einer Musikschule oder singen im Kinderchor.

Das sollte man mitbringen:

  • Ausgeprägte stimmliche Begabung
  • Sehr gute musikalische Fähigkeiten und Gehörbildung
  • Kenntnisse in Musiktheorie und Werkanalyse
  • Schauspielerische Fähigkeiten
  • Sicheres Auftreten auf der Bühne
  • Hohe sprachliche Kompetenz und Fremdsprachenkenntnisse: neben Englisch vor allem Italienisch, Französisch, Russisch oder Tschechisch
  • Belastbarkeit bei unregelmäßigen Arbeitszeiten
  • Hohe Konzentrations- und Merkfähigkeit
  • Körperliche Fitness und Atemtechnik
  • Fähigkeit zur Zusammenarbeit in großen Produktionsteams
  • Selbstdisziplin beim eigenständigen Üben und Vorbereiten

Ausbildung oder Studium

Um als Solosänger:in tätig zu sein, ist eine professionelle Gesangsausbildung ein Muss. Das Fach Gesang oder Operngesang kann an Musikhochschulen studiert werden. In der Regel sind Bachelorstudiengänge mit einer Dauer von sechs bis acht Semestern mit einem anschließenden Masterstudium zur künstlerischen Spezialisierung. Da die Studienplätze begrenzt sind, sind Eignungs- und Aufnahmeprüfungen an vielen Hochschulen üblich.

Neben Einzelunterricht im Hauptfach Gesang stehen Korrepetition, Bühnenpraxis, Sprecherziehung, Musiktheorie, Szenenstudium und Aufführungsprojekte auf dem Lehrplan. Bereits während des Studiums sammeln viele Studierende praktische Erfahrung in Hochschulproduktionen, Opernstudios oder durch kleinere Engagements.

Der Berufseinstieg erfolgt meist über Vorsingen an Opernhäusern, Gastengagement oder Opernstudios für Nachwuchskünstler:innen.

Spezialisierungen und weiterführende Tätigkeiten

Innerhalb des Berufsfeldes spezialisieren sich Solosänger:innen häufig auf bestimmte Stimmfächer oder musikalische Epochen, etwa lyrischer Sopran, Heldentenor, Alte Musik oder zeitgenössisches Musiktheater. Mit zunehmender Berufserfahrung wechseln manche Sänger:innen in pädagogische Tätigkeiten, beispielsweise als Gesangspädagog:innen an Musikschulen oder Hochschulen. Ein Wechsel in Lehrtätigkeiten oder künstlerische Coachingfunktionen erfolgt meist jedoch erst nach mehrjähriger Berufserfahrung.

Quellen

Das Informationsangebot basiert auf der Broschüre »Berufe am Theater«, herausgegeben vom Deutschen Bühnenverein, aktualisierte und überarbeitete zehnte Auflage 2020/21. Zur Recherche wurde zudem auf das Online-Informationsmaterial von BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit zurückgegriffen. Die redaktionelle Aufarbeitung und Recherche erfolgte mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz.