Requisiteur:in

Requisiteur:in

Namensgebender Beruf: Requisiteur:innen am Theater sind verantwortlich für die Requisiten, also alle beweglichen Ausstattungsgegenstände einer Inszenierung, die nicht zum Kostüm oder zur Dekoration gehören. Sie erstellen anhand des Textbuchs und dem Regiekonzept eine Requisitenliste und beschaffen die Gegenstände: Requisiteur:innen leihen sie aus, fertigen sie selbst an oder bearbeiten vorhandene Stücke aus dem Fundus. Dabei müssen sie neben Spezialeffekten wie Nebel und Feuer auch mit Pyrotechnik umgehen können und Rechtsvorschriften einhalten. Während Proben und für Vorstellungen übernehmen Requisiteur:innen die Einrichtung, Bereitstellung sowie Auf- und Abbau – sie tragen daher große Verantwortung, damit zum richtigen Zeitpunkt alle Requisiten am richtigen Ort sind. Auch für die Pflege und Inventarisierung der Requisiten sind sie zuständig. Der Beruf gehört zu den ältesten Theaterberufen im Bereich der Ausstattung.

Wie sieht der Alltag von Requisiteur:innen aus?

Wenn eine neue Produktion beginnt, lesen Requisiteur:innen den Text und das Regiekonzept und erstellen daraus gemeinsam mit Ausstattungsleitung, Regie, Bühnen- und Kostümbild sowie weiteren Abteilungen eine Requisitenliste. Anschließend recherchieren sie geeignete Gegenstände, suchen im eigenen Fundus, kaufen oder leihen fehlende Stücke und stellen benötigte Requisiten gegebenenfalls selbst her: Möbel, Geschirr, Lebensmittel, Blumen, Verpackungen, historische Gegenstände oder speziell angefertigte Objekte.

In der Probenphase werden die Requisiten praktisch erprobt und an die szenischen Abläufe angepasst. Requisiteur:innen dokumentieren, welches Objekt in welcher Szene benötigt wird und wo es vor und nach seinem Einsatz bereitliegt. Sie überprüfen außerdem, ob Requisiten für Darsteller:innen sicher verwendbar sind und ob sie die geforderte Funktion auf der Bühne erfüllen. Bei Bedarf werden Gegenstände umgebaut, repariert oder durch andere Lösungen ersetzt.

Vor Vorstellungen richten Requisiteur:innen die Bühne ein. Sie stellen Möbel und Gegenstände auf, bereiten Lebensmittel oder andere Materialien vor und kontrollieren die für die Szenen notwendigen Einsätze. Während der Vorstellung müssen Requisiten zuverlässig und zum vorgesehenen Zeitpunkt bereitstehen; je nach Inszenierung sind Requisiteur:innen auch selbst hinter oder auf der Bühne tätig. Nach der Vorstellung werden die Gegenstände kontrolliert, gereinigt, zurückgeräumt und gegebenenfalls für die nächste Vorstellung vorbereitet.

Zum Beruf gehören auch Spezialeffekte wie Schnee, Nebel, Rauch oder Feuer sowie pyrotechnische Effekte. Für deren Einsatz gelten zusätzliche Sicherheits- und gegebenenfalls Qualifikationsanforderungen, die Requisiteur:innen beherrschen müssen 

Welche Aufgaben haben Requisiteur:innen?

  • Requisiten anhand von Text, Drehbuch, Regiekonzept und Angaben von Ausstattungsleitung, Bühnen- und Kostümbildner:innen zusammenstellen und dokumentieren.
  • Requisitenlisten erstellen und laufend aktualisieren.
  • Benötigte Gegenstände im Requisitenfundus recherchieren und auswählen, Requisiten kaufen, mieten oder ausleihen. Requisiten transportieren, inventarisieren, lagern, pflegen und nach Produktionen zurückführen.
  • Requisiten selbst herstellen oder vorhandene Gegenstände verändern und reparieren, sodass sie über die Dauer von Probenphasen und Vorstellungen funktionsfähig bleiben.
  • Requisiten und andere szenische Einrichtungsgegenstände vorbereiten und für Proben sowie Vorstellungen bereitstellen und  betreuen.
  • Spezialeffekte wie Schnee, Nebel, Rauch oder Feuer vorbereiten und durchführen, soweit entsprechende Qualifikationen und Sicherheitsvoraussetzungen vorliegen.
  • Bei Produktionen mit Waffen die einschlägigen Sicherheits- und Umgangsvorschriften beachten.
  • Mit Ausstattungsleitung, Regie, Bühnen- und Kostümbild, Bühnentechnik, Werkstätten und weiteren Gewerken zusammenarbeiten.

Gibt es Requisiten-Meister:innen und Chefrequisiteur:innen?

Eine weiterführende Position für Requisiteur:innen kann zum Beispiel als Führungskraft die Leitung einer Requisitenabteilung sein. An manchen Häusern wird diese Position Requisiten-Meister:in genannt. Auch Chefrequisiteur:in oder leitende:r Requisiter:in sind geläufige Bezeichnungen. Diese sind jedoch keine anerkannten Berufsbezeichnungen, die auf einer staatlich geregelten Ausbildung basieren.

Die Leitung einer Requisitenabteilung erstellt Dienstpläne, kalkuliert Budgets sowie Produktionskosten und kontrolliert diese, erstellt und dokumentiert Gefährdungsbeurteilungen und Gefahrenstoffe oder koordiniert innerhalb der Abteilung Aufgaben und Mitarbeitende.

Wie wird man Requisiteur:in?

Das sollte man mitbringen:

  • Handwerkliches Geschick und Interesse an der Beschäftigung mit Gegenständen und vielfältigen Materialien
  • Organisationsfähigkeit
  • Sorgfalt, Geduld und Zuverlässigkeit beim Fertigen von Requisiten und repetierenden Arbeitsvorgängen
  • Materialkenntnisse, insbesondere ihre Einsatzmöglichkeiten und Funktionalität
  • Räumliches Vorstellungsvermögen
  • Kreativität und Eigeninitiative
  • Kommunikations- und Teamfähigkeit sowie künstlerisches Einfühlungsvermögen in der Zusammenarbeit mit Künstler:innen
  • Verständnis für künstlerische Prozesse mit Bereitschaft kaputte Requisiten kurzfristig zu ersetzen und zu reparieren
  • Allgemeinwissen und Interesse an historischen Gegenständen und Stilepochen
  • Sicherheitsbewusstsein, insbesondere bei pyrotechnischen Effekten, Gefahrstoffen, Waffen oder anderen potenziell gefährlichen Requisiten
  • Belastbarkeit und Flexibilität hinsichtlich der Arbeitszeiten

Ausbildung

Requisiteur:in ist eine anerkannte berufliche Weiterbildung. Bei der IHK Karlsruhe kann eine Prüfung zur /zum »Geprüften Requisiteur:in/Geprüfter Requisiteur« abgelegt werden, die unter anderem Produktion, Kultur-, Kunst- und Sozialgeschichte, Spezialeffekte und Waffen sowie Arbeitssicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz umfasst. Um zur Prüfung zugelassen werden muss man entweder eine abgeschlossene Ausbildung als »Fachkraft für Veranstaltungstechnik« und ein Jahr Berufspraxis, oder eine andere anerkannte Ausbildung und zwei Jahre Berufspraxis, oder fünf Jahre Berufspraxis vorweisen können. Zudem können Personen auch zugelassen werden, die durch Vorlage von Zeugnissen oder auf andere Weise glaubhaft machen können, dass sie Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen erworben haben, die die Zulassung zur Prüfung rechtfertigen. Ob ein Betrieb Requisiteur:innen ausbildet, muss direkt vor Ort erfragt werden. Die EurAka Baden-Baden gGmbH bietet außerdem Lehrgänge an, die das in der Praxis erworbene Wissen ergänzen.

Weiterführende Links

Quellen

Das Informationsangebot basiert auf der Broschüre »Berufe am Theater«, herausgegeben vom Deutschen Bühnenverein, aktualisierte und überarbeitete zehnte Auflage 2020/21. Zur Recherche wurde zudem auf das Online-Informationsmaterial von BERUFENET der Bundesagentur für Arbeit zurückgegriffen. Die redaktionelle Aufarbeitung und Recherche erfolgte mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz.