Newsletter April 2026
Mina Salehpour und Faramarz Ramezanian über Kunst in Kriegszeiten
Liebe Leser:innen,
»Wieder werde ich gefragt, wie kannst du dich da auf Theater konzentrieren? Die Wahrheit aber ist, wie könnte ich da ohne das Theater existieren?« Diese Antwort gibt Mina Salehpour anlässlich des Welttheatertags 2026 in einer gemeinsamen Botschaft mit ihrem Kollegen Faramarz Ramezanian. Beide Regisseur:innen stammen aus Teheran, beide blicken auf den Krieg: Mina Salehpour lebt seit ihrer Kindheit in Deutschland und inszeniert aktuell »Anthropolis« von Roland Schimmelpfennig in Oslo. Theater führe sie »raus aus den Wirklichkeiten, hinein in die Möglichkeiten«.
Faramarz Ramezanian befindet sich im türkischen Exil. Er war im Iran im Gefängnis und verfolgt die Bombardierung seiner Stadt aus der benachbarten Ferne. Für ihn ist Kunst Krieg. »Ein Krieg gegen Wirklichkeiten, die sich nicht verdauen lassen, ein Krieg gegen Wirklichkeiten, die man nicht verdauen sollte.« Ramezanian beschreibt mit wenigen Worten, wie er sein Studio in Teheran verloren hat und wie manchmal ein einfaches, kleines Stück Holz auf einem menschlichen Stuhl sitzen und von seinen Träumen erzählen kann.
Diese bewegende Botschaft hat in den sozialen Medien eine hohe Resonanz gefunden und wurde von vielen Mitgliedshäusern, Medien und Privatpersonen zum Welttheatertag 2026 geteilt. Danke für die Solidarität.
In Deutschland habe sich knapp ein Jahr nach Amtsantritt von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer eine »Kultur der Angst« ausgebreitet, Denk- und Debattenräume hätten sich verengt und die Drohung des Fördermittelentzuges würde als sehr real wahrgenommen, schildern die Kulturjournalisten Stefan Koldehoff und Lars Hendrik Beger in einer Sondersendung von »Kultur heute« im Deutschlandfunk. Auch der Deutsche Kulturrat, in dem Bühnenvereins-Geschäftsführerin Claudia Schmitz im Sprecherrat für den Rat für darstellende Kunst und Tanz vertreten ist, erkennt Alarmzeichen: Nach den Diskussionen rund um Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle und die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises verabschiedete er einstimmig die Resolution »Kunstfreiheit achten, Unabhängigkeit von Jurys garantieren«.
Dass der Verfassungsschutz kein geeignetes Mittel der Kunstförderung ist, haben die Kulturminister:innen und -senator:innen von Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland ebenfalls unterstrichen. Sie bekräftigten in einer gemeinsamen Presseerklärung den Beschluss der Kulturministerkonferenz vom 13. März 2019, in dem alle Länder die Freiheit der Kunst als einen »Gradmesser gesellschaftlicher und demokratischer Freiheit« benennen und sich zugleich dazu bekennen, »diese Freiheiten zu schützen und zu einem Maßstab ihrer Kulturpolitik zu machen«.
Wir kämpfen weiter für die Freiheit der Kunst!
Herzliche Grüße
Marion Troja und das Team Kommunikation
- DIE DEUTSCHE BÜHNE: »Neue Literatur fürs Theater«
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- Kulturrat: Mentoringprogramm für weibliche Führungskräfte im Kulturbereich
- Juristische Beratung für Mitglieder: Willkommen Johannes Kohnen
- Der Deutsche Bühnenverein auf Bluesky
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