Die Preisträger:innen
DER FAUST 2025 in Stuttgart
Anlässlich des Jubiläums 20 Jahre Deutscher Theaterpreis DER FAUST wurde die Auszeichnung am 15. November 2025 im Theaterhaus Stuttgart verliehen. Die künstlerische Leitung des Abends lag bei der internationalen Theatercompany Familie Flöz.
Die Preisträger:innen
Darsteller:in Tanz
- Jury-Begründung
Leroy Mokgatle als Puck in »Ein Sommernachtstraum«
Staatsballett BerlinWie bei Shakespeare im Traum scheint bei Leroy Mokgatle alles möglich. Sie verkörpert das Unerklärbare des Puck’schen Wesens mit einer Selbstverständlichkeit, die an Zauber grenzt – witzig irrlichternd, poetisch und zugleich politisch im tiefsten Sinn, weil sie das Dasein selbst befragt. Ihr Tanz ist ein Bekenntnis zum Menschsein: verletzlich, verspielt, ernsthaft und doch von Leichtigkeit getragen.
Mit beeindruckender Virtuosität und feiner Empathie lässt sie einen Puck entstehen, der die Grenzen von Körper und Geist neu befragt. Auf Spitze wie auf flachem Fuß tanzend folgt sie keiner bloßen Bewegung, sondern einem inneren Drang nach Wahrheit und Freiheit. Ihre Technik wird nie Selbstzweck, sondern verwandelt sich in Ausdruck und Haltung. In ihr verschmelzen Jugend und Liebe, Lust und Magie zu etwas sehr Heutigem.
Dadurch wird sie zum verbindenden Element dieses Sommernachtstraums, zum Herz, das alles zusammenhält und doch frei schlägt. In jeder Nuance zeigt sie, dass Kunst dort beginnt, wo man wagt, sich hinzugeben – dem Risiko, der Musik, dem Augenblick. Am Ende steht ein Bekenntnis zur Freiheit: die Freiheit, sich allen Zuschreibungen zu entziehen und zugleich alle Gegensätze in sich zu vereinen – sie zu tanzen, sie zu leben. - Jury-Statement
Performance Dance
Leroy Mokgatle as Puck in »A Midsummer Night's Dream«
Staatsballett BerlinAs with Shakespeare in dreams, everything seems possible with Leroy Mokgatle. She embodies the inexplicable nature of Puck with a naturalness that borders on magic – wittily elusive, poetic and at the same time political in the deepest sense, because she questions existence itself. Her dance is a commitment to humanity: vulnerable, playful, serious and yet carried by lightness.
With impressive virtuosity and subtle empathy, she creates a Puck who questions the boundaries of body and mind. Dancing on tiptoes and flat feet, she follows not mere movement, but an inner urge for truth and freedom. Her technique never becomes an end in itself, but transforms into expression and attitude. In her, youth and love, lust and magic merge into something very contemporary.
This makes her the connecting element of this midsummer night's dream, the heart that holds everything together and yet beats freely. In every nuance, she shows that art begins where one dares to surrender – to risk, to music, to the moment. The result is a commitment to freedom: the freedom to escape all attributions and at the same time to unite all opposites within oneself – to dance them, to live them.
Darsteller:in Schauspiel
- Jury-Begründung
Thomas Schmauser als Hendrik Höfgen in »Mephisto«
Münchner KammerspieleEin Schauspieler spielt einen Schauspieler. Thomas Schmauser gibt der Figur Hendrik Höfgen in Klaus Manns »Mephisto« in der Regie von Jette Steckel an den Münchner Kammerspielen eine beeindruckende Vielschichtigkeit: Er spielt keinen bloßen Opportunisten, sondern einen Menschen, der sich verstrickt – in Sehnsucht, Eitelkeit, Angst und Verblendung. Schmauser gelingt das Kunststück, Höfgen zugleich verführerisch und abstoßend erscheinen zu lassen. Seine Präsenz auf der Bühne ist dabei von einer seltenen Präzision: Jede Geste, jede Verzögerung, jede Übertreibung trägt Bedeutung. In der Regie von Jette Steckel entsteht so das Bild eines Schauspielers, der seine eigene Kunst missbraucht, bis ihm der Boden unter den Füßen entgleitet. Schmauser führt uns vor, wie verführerisch Macht sein kann – und wie hoch der Preis dafür ist. Eine außergewöhnliche darstellerische Leistung von großer Intensität und kluger Ambivalenz.
- Jury-Statement
Performance Acting
Thomas Schmauser as Hendrik Höfgen in »Mephisto«
Münchner Kammerspiele
An actor plays an actor. Thomas Schmauser brings impressive complexity to the character of Hendrik Höfgen in Klaus Mann's »Mephisto«, directed by Jette Steckel at the Münchner Kammerspiele: He does not play a mere opportunist, but a person who becomes entangled in longing, vanity, fear and delusion. Schmauser succeeds in making Höfgen appear both seductive and repulsive at the same time. His presence on stage is characterised by a rare precision: every gesture, every delay, every exaggeration carries meaning. Directed by Jette Steckel, the result is the image of an actor who abuses his own art until the ground slips away from under his feet. Schmauser shows us how seductive power can be – and how high the price is. An extraordinary performance of great intensity and clever ambivalence.
Darsteller:in Musiktheater
- Jury-Begründung
Bettina Ranch als »Kundry« in der Neuinszenierung des »Parsifal« am Aalto-Musiktheater Essen verkörpert die vielleicht aufregendste Frauenfigur der gesamten Operngeschichte mit atemloser physischer wie stimmlicher Präsenz. Ob im Kokon einer Zwangsjacke oder im knietiefen Wasser mit langen Haaren halbliegend im triefenden Nass oder alles gleichzeitig; unerschütterlich offenbart sie uns jedwede Facette dieser geschundenen, mit Flüchen belegten Opernfigur. Sie lässt uns teilhaben an dieser enormen Palette an Emotionen, welche wir mit ihrer makellosen, blühenden Stimme unmittelbar erfahren. Ob Schmerz, Fragilität, Wut oder Verführung, alles legt sie offen, unterstützt von einer unbändigen Spiellust, die niemals Selbstzweck ist und die schwierigsten und kaum noch zumutbaren Inszenierungsklippen mit Bravour und Expressivität meistert. Eine durch und durch preiswürdige Darstellung.
- Jury-Statement
Performance Music Theatre
Bettina Ranch as Kundry in »Parsifal«
Aalto-Musiktheater Essen
Bettina Ranch as Kundry in the new production of »Parsifal« at Aalto-Musiktheater Essen embodies perhaps the most exciting female character in the entire history of opera with her breathtaking physical and vocal presence. Whether in the cocoon of a straitjacket or knee-deep in water with her long hair half-lying in the dripping wet, or all at once, she unwaveringly reveals every facet of this tormented, cursed opera character. She lets us share this enormous range of emotions, which we experience directly through her flawless, blossoming voice. Be it pain, fragility, anger or seduction, she lays everything bare, supported by an irrepressible zest for acting that is never an end in itself and masters the most difficult and almost unbearable staging challenges with brilliance and expressiveness. A through and through award-worthy performance.
Darsteller:in Theater für Junges Publikum
- Jury-Begründung
Sofiia Stasiv stellt sich in »MOBB« der Choreograf:innen Chris Jäger und Cordelia Lange im Theater der Jungen Welt Leipzig einer großen künstlerischen Herausforderung: einem Tanzsolo fürs Klassenzimmer. Sie meistert diese auf allen Ebenen bravourös. Allein mit Blicken und Gesten kommuniziert sie schon vor Betreten des Klassenzimmers mit ihrem Publikum. Welche Anstrengung es macht diesen Raum zu betreten, setzt sie im tänzerischen Ausdruck so präzise um, dass das Publikum von Anfang an zu Mitwissenden und Mitverantwortlichen wird.
In jedem Moment zieht sie die Konzentration auf sich, dringt in den Raum ein, wirbelt diesen auf, unterwandert die vermeintlichen nicht zu hinterfragenden Regeln und macht Platz für etwas Neues. Das Publikum folgt jeder ihrer Gesten und Aufforderungen. Sofiia Stasiv setzt sich aus und konfrontiert. Sie lässt Stille und Nichtweiterwissen zu, lässt Raum, adaptiert Reaktionen des Publikums und verbindet sich, macht sich angreifbar und verletzlich. Ihr Spiel ist sowohl von großer Kraft als auch von einer großen Fragilität und sehr berührend. Sie hinterlässt eine Spur in den Köpfen des Publikums und auch in einem Raum, der beim nächsten Betreten mit großer Sicherheit nicht mehr derselbe sein wird.
- Jury-Statement
Performance Theatre for Young Audiences
Sofiia Stasiv as Sofiia in »MOBB«
Theater der Jungen Welt Leipzig
In »MOBB« by choreographers Chris Jäger and Cordelia Lange at the Theater der Jungen Welt Leipzig, Sofiia Stasiv takes on a major artistic challenge: a dance solo for the classroom. She masters it brilliantly on all levels. Even before entering the classroom, she communicates with her audience through her gaze and gestures alone. She expresses the effort it takes to enter this space so precisely in her dance that the audience becomes complicit and jointly responsible from the very beginning. At every moment, she draws attention to herself, invades the space, stirs it up, subverts the supposed unquestionable rules and makes room for something new. The audience follows her every gesture and request. Sofiia Stasiv exposes herself and confronts. She allows for silence and uncertainty, leaves space, adapts to the audience's reactions and connects with them, making herself vulnerable and open to attack. Her performance is both powerful and fragile, and very moving. She leaves a mark on the minds of the audience and also on a space that will most certainly no longer be the same the next time it is entered.
Choreografie
- Jury-Begründung
Mit »Blake Works V (The Barre Project)« gelingt William Forsythe eine choreografische Reflexion von großer Klarheit und Tiefe. In Zeiten der Isolation entstanden, erhebt er die Ballettstange – Symbol des täglichen Trainings und des Alleinseins – zur choreografischen Idee und zum tänzerischen Gegenüber. Aus der Einschränkung wird ein Möglichkeitsraum, aus der Begrenzung ein Feld unendlicher Erfindung.
Das Stück ist ein brillantes Spiel mit den Formen des klassischen Tanzes, dass die Tradition weder negiert noch nostalgisch verklärt, sondern sie durch Transformation lebendig hält. Hier verbinden sich vier Jahrzehnte choreografischer Meisterschaft zu einer Essenz von Bewegung und Denken. Hochbrillant getanzt, von formaler Strenge und zugleich berührender Freiheit, markiert dieses Werk einen Moment außergewöhnlicher künstlerischer Konsequenz.
Mit »Blake Works V (The Barre Project)« tanzt das Hamburg Ballett zum Führungswechsel erstmals in seiner Geschichte ein Werk von Forsythe – Aufbruch und Bekenntnis zugleich: ein zeitgenössisches Statement, das den klassischen Tanz nicht hinter sich lässt, sondern ihn in die Zukunft katapultiert. Forsythe beweist, dass Tradition nur dann lebendig bleibt, wenn sie sich wandelt – mutig, relevant und am Puls der Gegenwart.
- Jury-Statement
Choreography
William Forsythe for »Blake Works V (The Barre Project)«
Hamburg Ballett
With »Blake Works V (The Barre Project)«, William Forsythe has created a choreographic reflection of great clarity and depth. Created during a period of isolation, he elevates the ballet barre – a symbol of daily training and solitude – to a choreographic idea and a dance counterpart. Restriction becomes a space of possibility, limitation a field of infinite invention.The piece is a brilliant play with the forms of classical dance that neither negates tradition nor romanticises it nostalgically, but keeps it alive through transformation. Here, four decades of choreographic mastery combine to form an essence of movement and thought. Danced with great brilliance, formal rigour and at the same time touching freedom, this work marks a moment of extraordinary artistic consistency.
With »Blake Works V (The Barre Project)«, the Hamburg Ballett marks its leadership transition by performing a Forsythe work for the first time in its history – a new beginning and a commitment at the same time: a contemporary statement that does not leave classical dance behind, but catapults it into the future. Forsythe proves that tradition only remains alive if it changes – courageously, relevantly and in tune with the pulse of the present.
Regie Schauspiel
- Jury-Begründung
Jana Vetten gelingt mit ihrer Inszenierung von »Nora« am Theater Heidelberg eine beeindruckend gegenwärtige Lesart eines scheinbar vertrauten Stoffes. Sie befreit Ibsens Figur aus den musealen Gesten des Klassikers und zeigt stattdessen eine Frau, die ihre eigene Geschichte zurückerobert. Vetten arbeitet präzise mit Rhythmus, Bildern und Brüchen: Intimität und Überzeichnung, Komik und Erschütterung liegen eng beieinander. Dabei vertraut sie stark auf das Ensemble und schafft Räume, in denen das Spiel der Darsteller:innen leuchten kann. Die Inszenierung macht sichtbar, wie subtil – und wie hartnäckig – die Mechanismen von Rollen, Erwartungen und Abhängigkeiten wirken. Mit klarem, klugem Blick führt Vetten »Nora« in die Gegenwart und stellt die Frage nach Freiheit neu. Eine Regiearbeit von großer Sensibilität, formaler Klarheit und emotionaler Wucht.
- Jury-Statement
Direction Drama
Jana Vetten for »Nora«
Theater und Orchester HeidelbergWith her production of »Nora« at the Theater und Orchester Heidelberg, Jana Vetten succeeds in creating an impressively contemporary interpretation of a seemingly familiar story. She liberates Ibsen's character from the museum-like gestures of the classic and instead shows a woman who reclaims her own story. Vetten works precisely with rhythm, images and breaks: intimacy and exaggeration, comedy and shock are closely intertwined. She places great trust in the ensemble and creates spaces in which the actors' performances can shine. The production reveals how subtle – and how persistent – the mechanisms of roles, expectations and dependencies are. With a clear, intelligent eye, Vetten brings »Nora« into the present and re-examines the question of freedom. A production of great sensitivity, formal clarity and emotional power.
Regie Musiktheater
- Jury-Begründung
Péter Eötvös’ vorletzte Oper »Sleepless«, 2021 an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin uraufgeführt, in Koproduktion mit dem Grand Théâtre de Genève, 2024 in Graz neuproduziert und 2025 in Chemnitz aufgeführt, verleitet jede Regie durch ihr realistisches Storytelling zu einer ebensolchen Umsetzung, bei der dann filmisch gebaute Realräume den Rahmen für dieses feingearbeitete Psychogramm bilden.
Dennis Krauß sucht als Regisseur und Bühnenbildner mit der Neuproduktion des Werkes in Chemnitz nicht den üblichen Weg in einem zeitgenössischen Werk dem Alltagsrealismus nachzuspüren, sondern gewährt mit Hilfe seiner quasi requisitenfreien Raumlandschaften, eine direkte vertikale Einsicht in die Tiefen der Partitur. Hörerschaft und Zuschauer:innen werden in einer ästhetisch reduzierten Art direkt mit dem Werk konfrontiert, welches so seine suggestive Kraft frei entfalten kann. Der Realismus der Oper wird somit nicht als weiterer Realismus der Szene gedoppelt, sondern erfährt mit dem Ästhetisieren der Vorgänge eine zusätzliche Ebene, die das Narrativ des Stückes verstärkt. Eine kluge mutige Arbeit, die publikumswirksam ihren eigenen Weg sucht und selten in der Interpretation von zeitgenössischen Opern zu erleben ist.
- Jury-Statement
Direction Music Theatre
Dennis Krauß for »Sleepless«
Die Theater Chemnitz
Péter Eötvös' penultimate opera »Sleepless«, premiered in 2021 at the Staatsoper Unter den Linden in Berlin, co-produced with the Grand Théâtre de Genève, re-produced in Graz in 2024 and then performed in Chemnitz in 2025, tempts every director with its realistic storytelling to create a similarly realistic production, in which cinematically constructed real spaces form the framework for this finely crafted psychogram.As director and set designer, Denis Krauß does not seek to follow the usual path of tracing everyday realism in a contemporary work with the new production of the work in Chemnitz, but instead, with the help of his quasi prop-free spatial landscapes, grants a direct vertical insight into the depths of the score. The audience is confronted directly with the work in an aesthetically reduced manner, allowing its suggestive power to unfold freely. The realism of the opera is thus not duplicated as further realism of the scene, but rather, through the aestheticisation of the events, it takes on an additional level that reinforces the narrative of the piece. A clever, courageous work that seeks its own path in a way that appeals to the audience and is rarely experienced in the interpretation of contemporary operas.
Regie Theater für Junges Publikum
- Jury-Begründung
Der Choreografin Ceren Oran ist mit »Gute Wut« ein dichtes, poetisches Tanzstück über ein großes Gefühl gelungen. Durch das klare präzise Setting ist es sehr zugänglich und wirkt dennoch an keiner Stelle banal. Vielmehr ist es ihr gelungen, für Kinder ab vier Jahren das Komplexe im vermeintlichen Einfachen zu erzählen. Sie schafft es in ihrer Inszenierung an der Schauburg München, verschiedenste Wutzustände zu erzählen und dies dazu noch mit viel Humor. Die vier Darstellenden bestechen durch körperliche Präsenz, exaktes Timing sowie großer Spielfreude und Leichtigkeit. Man ahnt nicht, dass hier Schauspielende und nicht ausgebildete Tanzende am Werk sind. Diese Leistung Ceren Orans ist herausragend.
»Gute Wut« kommt ohne Sprache aus und überlässt dem Publikum Raum für eigene Interpretationen und Geschichten. Sie nimmt das junge Publikum ernst und setzt sich dem notwendigen Wagnis aus, Wut zuzulassen und deren Grenzen auszuloten. Das Stück verurteilt oder sanktioniert dieses Gefühl nicht, thematisiert aber dessen Grenzen ebenso wie dessen positive Sprengkraft für persönliche und gesellschaftliche Veränderungen. Hier wird gezeigt, was Theaterkunst für Junges Publikum zu bewirken vermag. Im besten Sinne eine Übung in demokratischem Aushandeln, die jedem Menschen, egal welchen Alters, Freude macht und Anstoß gibt.
- Jury-Statement
Direction Theatre for Young Audiences
Ceren Oran for »Gute Wut« (Good Anger)
Schauburg München
With »Gute Wut«, choreographer Ceren Oran has created a dense, poetic dance piece about a powerful emotion. The clear, precise setting makes it very accessible, yet it never seems banal. Rather, she has succeeded in conveying the complexity of the seemingly simple to children aged four and above. In her production at the Schauburg München, she manages to portray a wide variety of states of anger and does so with a great deal of humour. The four performers captivate with their physical presence, precise timing, and great enthusiasm and ease. One would never guess that these are actors and not trained dancers at work. Ceren Oran's achievement is outstanding.»Gute Wut« does not require language, leaving the audience room for their own interpretations and stories. It takes its young audience seriously and takes the necessary risk of allowing anger and exploring its limits. The play does not condemn or sanction this emotion, but addresses its limits as well as its positive explosive power for personal and social change. It shows what theatre can achieve for young audiences. In the best sense, it is an exercise in democratic negotiation that gives pleasure and inspiration to everyone, regardless of age.
Raum
- Jury-Begründung
Nikola Knežević schafft mit seiner Bühneninstallation für Florentina Holzingers »Sancta« einen atmosphärischen, offenen und komplexen Spiel- und Sakralraum, der in überwältigender Weise die radikalen szenischen Erfindungen der Regisseurin und ihrer Darstellerinnen ermöglicht. Technisch sehr aufwendig und ästhetisch äußerst präzise gestaltet, strukturieren Kletterwand, Halfpipe, Roboterarm, Glocke und Neonkreuz das Geschehen und bilden einen fantastischen Aktions- und Assoziationsraum, der eine Herausforderung für jeden Repertoirebetrieb ist, und der die Grenze des auf der Bühne Möglichen weiter verschiebt.
- Jury-Statement
Scenic Design
Nikola Knežević for »SANCTA«
Production by Florentina Holzinger/Spirit, neon lobster, Mecklenburgisches Staatstheater and Staatsoper Stuttgart
With his stage installation for Florentina Holzinger's »Sancta«, Nikola Knežević creates an atmospheric, open and complex space for play and sacred rituals, which overwhelmingly facilitates the radical scenic inventions of the director and her performers. Technically very elaborate and aesthetically extremely precise, the climbing wall, halfpipe, robot arm, bell and neon cross structure the action and form a fantastic space for action and association that is a challenge for any repertory theatre and pushes the boundaries of what is possible on stage.
Medien
- Jury-Begründung
»#RemoteCodeExecution« ist eine virtuose Leistungsschau der technischen Gewerke, für das zwölf Digital Artists mittels KI ein raumgreifendes Bilderfeuerwerk komponiert haben, das schon durch seine bloße Fülle und Rhythmisierung beeindruckt und die Zuschauenden in seinen Bann zieht. Die aufwendige Adaption dieser äußerst fortschrittlichen Bildgenerierungsverfahren für die Theaterbühne ist eine Leistung an sich und erweitert auf technisch höchst innovative Weise das mediale Gestaltungsspektrum und die Sehgewohnheiten für das zeitgenössische Theater. So entsteht mit »#RemoteCodeExecution« eine opulente visuelle Hochglanzfläche, die im präzise rhythmisierten Zusammenspiel mit Schauspiel, Text, Raum, Licht und Musik eine beeindruckende Gesamtkomposition erschafft, die von popkulturellen Zitaten nur so wimmelt und die die kapitalistische Lebenswirklichkeit der Zuschauenden bebildert und visuell sowie körperlich virtuos erfahrbar macht.
- Jury-Statement
Media
Voxi Bärenklau, Stefano Di Buduo, Andrea Familari, Max Hammel, Michael Klein, Arne Körner, Julius Pösselt, Andrea Schumacher, Max Schweder, Mario Simon, Jan Isaak Voges, Robi Voigt for »RCE #RemoteCodeExecution«
Berliner Ensemble
»#RemoteCodeExecution« is a virtuoso showcase of technical craftsmanship, for which twelve digital artists used AI to compose a space-filling fireworks display of images that impresses with its sheer abundance and rhythm and captivates the audience. The elaborate adaptation of this extremely advanced image generation process for the theatre stage is an achievement in itself and expands the media design spectrum and viewing habits for contemporary theatre in a highly innovative way. The result is »#RemoteCodeExecution«, an opulent, high-gloss visual surface that, in precise rhythmic interplay with acting, text, space, light and music, creates an impressive overall composition teeming with pop culture references that illustrates the capitalist reality of the audience's lives and makes it visually and physically accessible in a masterful way.
Kostüm
- Jury-Begründung
Korbinian Schmidt hat Kostüme für Figuren an einem dystopischen Ort an der Peripherie des Weltalls entworfen: merkwürdige Wesen in luftigen Rüstungen aus gepresster Luft, schwarzglänzenden Bomberjacken mit spanischen Krägen und glitzernden Gesichtern, weiß verformten Mitrakronen, Reifröcken und fantastischen Haartollen. Eine grandiose Reflexion über die vielfältigen Eigenschaften von Luft. Wild und opulent, in glühender Farbigkeit und leicht entflammbar sprechen diese Figuren Jelineks Text über die Luft und die Sonne. Nicht alles findet in der Luft statt, doch ohne sie fände gar nichts statt – dafür hat Korbinian Schmidt eine wilde Mischung geschaffen aus höfischer Eleganz und futuristischen Fantasien, extravagant, handwerklich bestechend, anspielungsreich und von großer skulpturaler Qualität.
- Jury-Statement
Costumes
Korbinian Schmidt for »Sonne / Luft« (Sun/Air)
Schauspiel StuttgartKorbinian Schmidt designed costumes for characters in a dystopian setting on the edge of the universe: strange beings in airy armour made of compressed air, shiny black bomber jackets with Spanish collars and glittering faces, white deformed mitres, hoop skirts and fantastic quiffs. A magnificent reflection on the diverse properties of air. Wild and opulent, in glowing colours and highly flammable, these characters speak Jelinek's text about air and the sun. Not everything takes place in the air, but without it nothing would take place at all – for this, Korbinian Schmidt has created a wild mixture of courtly elegance and futuristic fantasies, extravagant, technically impressive, rich in allusions and of great sculptural quality.
Genrespringer
- Jury-Begründung
Mit der zwischen HAU Hebbel am Ufer, FFT Düsseldorf und Kleintheater Luzern koproduzierten digitalen Kommunikationsguerilla »MYKE – Hacking the Manosphere« sprengt die Gruppe onlinetheater.live nicht nur die Grenzen des Theatergenres, sondern auch der kulturellen und politischen Bildung. Kathi Kraft, Luzia Oppermann und Caspar Weimann gehen genau dahin, wo die gezielte rechtsextreme Radikalisierung und Mobilisierung von jungen Männern stattfindet: Sie mischen sich mitten in die Echokammern und Blasen von Online-Gaming und Social Media, recherchieren in diesen als teilnehmende und investigative Beobachter:innen und intervenieren als künstlerische Aktivist:innen gegen die dort entstehenden Gewaltspiralen. Indem sie die gesammelten Erfahrungen und dokumentierten Erkenntnisse schließlich straight forward als Lecture Performance zurück in die Räume des Theaters bringen, öffnen sie diese auf so noch nicht gesehene und überaus wirksame Weise als Orte der Begegnung und des Diskurses. »MYKE – Hacking the Manosphere« wirkt erschütternd und relevant, innovativ und nachhaltig, erweitert den Möglichkeitsraum des Theaters und verdient somit den Deutschen Theaterpreis DER FAUST 2025 in der Kategorie »Genrespringer«.
- Jury-Statement
Crossover
Kathi Kraft, Luzia Oppermann and Caspar Weimann for »MYKE«
onlinetheater.live co-produced by HAU Hebbel am Ufer, FFT Düsseldorf and Kleintheater Luzern
With the digital communication guerrilla project »MYKE – Hacking the Manosphere«, co-produced by HAU Hebbel am Ufer, FFT Düsseldorf and Kleintheater Luzern, the group onlinetheater.live not only breaks down the boundaries of the theatre genre, but also those of cultural and political education. Kathi Kraft, Luzia Oppermann and Caspar Weimann go exactly where the targeted right-wing extremist radicalisation and mobilisation of young men takes place: they immerse themselves in the echo chambers and bubbles of online gaming and social media, researching them as participating and investigative observers and intervening as artistic activists against the spirals of violence that arise there. By bringing the experiences they have gathered and the insights they have documented back to the theatre in the form of a straightforward lecture performance, they open up these spaces in a previously unseen and extremely effective way as places of encounter and discourse. »MYKE – Hacking the Manosphere« is shocking and relevant, innovative and sustainable, expanding the realm of possibilities for theatre and thus deserving of the DER FAUST 2025 award in the »crossover« category.
Aufzeichnung der Preisverleihung
Für alle, die nicht live vor Ort dabei sein konnten, ist die Aufzeichnung der Preisverleihung aus dem Theaterhaus Stuttgart in der 3sat-Mediathek aufrufbar.