Jahrestagung 2026

Jahrestagung 2026

Im Berliner Ensemble und im Deutschen Theater trafen sich vom 11. bis 13. Juni die Mitglieder des Bühnenvereins zur Jahrestagung 2026. Mit neuen Allianzen und klaren Botschaften zu Kunstfreiheit, zunehmender politischer Einflussnahme auf die Programme und Finanzierungslücken endete das Treffen von mehr als 270 Theaterleitungen und Kulturpolitiker:innen in Berlin:

Die Workshop-Ergebnisse

Neben Sitzungen der Gremien bot die Jahrestagung Workshops und Panels zu Themen wie Krisenkommunikation, der Handlungsempfehlung »Zukunftspakt Bühne«, Sanierung von Theaterbauten, Beteiligung für junges Publikum sowie Diversitätsmanagement an.

Samstag, 13. Juni

Abschluss mit Maximilian Steinbeis

»Die demokratischen Institutionen in Deutschland sind in der Krise«, konstatiert Maximilian Steinbeis am Samstag im Deutschen Theater. Zum Abschluss der Jahrestagung referiert der Jurist und Verfassungsblog-Gründer über die Kunstfreiheit und Einflussnahme politischer Institutionen auf künstlerische Prozesse. Mehr Resilienz unserer Demokratie und juristischen Schutz zu fordern, geht ihm nicht weit genug: »Was Not tut ist Resistenz«, meint Steinbeis. Kunstfreiheit gäben einem nicht Juristen, man müsse sie sich nehmen, adressierte er an die Theaterleitungen im Saal.

 Kathrin Mädler, Vizepräsidentin des Bühnenvereins und Intendantin am Theater Oberhausen, plädierte im anschließenden Podiumsgespräch mit Maximilian Steinbeis und Marion Troja, Leiterin Kommunikation des Bühnenvereins, an das Publikum: »Unsere Aufgabe ist es, unsere Gestaltungskraft lustvoll zu verteidigen und mit der künstlerischen Arbeit dem rechten Narrativ Erzählungen von Gemeinschaft und Vielfalt entgegenzusetzen.«

Freitag, 12. Juni

Eröffnungsrede von Carsten Brosda

Ein objektives Problem trifft auf eine subjektive Herausforderung – mit dieser Begegnung eröffnet Bühnenvereinspräsident Carsten Brosda seine Rede an die Mitglieder und Gäste der Jahrestagung im Berliner Ensemble. Das Geld ist knapp, Kommunen und Länder haben keine ausreichenden Ressourcen, um die Bühnen weiterhin so auszustatten, wie die Theaterleitungen und Kulturpolitiker:innen im Saal es für notwendig und richtig erachten. Ein objektives und echtes Problem, erklärt Brosda.  

Und jetzt? Jetzt wird es komplex, kündigt er an und führt in seinem Vortrag über Erkenntnisse von Niklas Luhmann und Ernst Cassirer über Winnie the Pooh und Nat King Cole zu der subjektiven Herausforderung, vor denen die Versammelten gemeinsam stehen: Den Blick auf Theater und Kunst nicht auf die Dimension zu verkürzen, genug Geld fürs eigene Haus zu bekommen.  

Carsten Brosda beschreibt das Theater als den Raum, wo sich Liebe lernen lässt – in einem echten Moment. »Eine einzigartige Ressource, die wir in die Gesellschaft einbringen.« Und dabei habe die Kunst vor allem frei zu sein, sich quer zu stellen gegen politische Forderungen, was sie leisten solle. »Demokratie, internationale Netzwerke oder soziale Integration sind dabei der coole Kollateralnutzen.« 

Donnerstag, 11. Juni

Auftakt und Verleihung Dr. Otto Kasten-Preis

»Was habe ich am Theater gelernt?« Diese Frage stellt Professorin Jutta Allmendinger ganz zu Beginn ihrer Rede im Berliner Ensemble. Und die Antwort der Soziologin ist kurz und bedeutsam: Vertrauen. Vor rund 270 Mitgliedern des Deutschen Bühnenvereins eröffnet sie mit einem empathischen und empowernden Vortrag die Tagung. Abend für Abend zeige sich, dass gemeinsam etwas zu erreichen, wichtiger sei als die Summe individueller Interessen. »Abend für Abend halten Theater Unterschiedlichkeit aus. Dissens wird sichtbar, Internationalität und Offenheit haben eine große Selbstverständlichkeit.« Eine Selbstverständlichkeit, die in einer zunehmend fragmentierten Gesellschaft verloren zu gehen drohe, erklärt die Wissenschaftlerin. Sie bestärkt, wie wichtig freie Kunst für unsere Demokratie ist: »Offene Gesellschaften sind darauf angewiesen, dass auch unbequeme Perspektiven sichtbar werden.« Mit einer Agenda entlässt sie die Bühnenvereinsmitglieder, in der sie sich für eine verlässliche Finanzierung der Bühnen und für gute Arbeitsbedingungen für die Kunstschaffenden einsetzt. Kultur müsse alle erreichen. Und ihr wichtigster Punkt: »Wir müssen die Freiheit der Kunst verteidigen.«

Theater als demokratischer Raum, wie so etwas tatsächlich im wörtlichen wie im übertragenen Sinne funktionieren kann, zeigen die Theatermacher:innen Calle Fuhr, Sabine Koller und zwek (Gustav Kleinschmidt), die im Anschluss mit dem Dr. Otto Kasten-Preis 2026 geehrt wurden. Und wieder war es Vertrauen, für das sich die Künstler:innen bei der Verleihung bedankten. Vertrauen, das auch von Theaterleitungen und Regisseur:innen in sie investiert wurde.

Mittwoch, 10. Juni

»Es braucht verlässliche Allianzen«

Wie übernehmen wir gemeinsam Verantwortung? Die Theater stehen unter Druck! Am Vorabend der Jahrestagung am Berliner Ensemble und im Deutschen Theater haben sich Präsidiumsmitglieder des Bühnenvereins mit den kulturpolitischen Sprecher:innen der Bundestagsfraktionen von CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke zum Austausch getroffen. Wie knüpfen wir Bündnisse? Was könnten wirksame Strategien sein? Antworten auf diese Fragen werden in den kommenden Tagen unsere Mitglieder umtreiben.

Bühnenvereinspräsident Carsten Brosda betonte die Relevanz der Allianz zwischen Kunst und Politik: »Die unbedingte Freiheit der Künste ist ein Merkmal demokratischer Gesellschaften. Sie zu sichern, ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Gerade in Zeiten, in denen Kassen knapper und populistische Positionen lauter werden, braucht es verlässliche Allianzen. Der Austausch zwischen Politiker:innen des demokratischen Spektrums und den Akteur:innen der Bühnenkunst verschafft den Bedürfnissen der Branche Sichtbarkeit und festigt wesentliche Voraussetzungen für die Zukunft unserer vielfältigen Gemeinschaft.« Und Bühnenvereinsvizepräsidentin Kathrin Mädler ermutigte alle, groß zu denken, um die Theater für die Zukunft aufzustellen.

Wir bedanken uns bei den Bundestagsabgeordneten Ottilie Klein (CDU), Awet Tesfaiesus (Bündnis 90/Die Grünen), Martin Rabanus (SPD) und Gregor Gysi (Die Linke).

Dienstag, 26. Mai

»Die Freiheit der Künste steht unter Druck«

Bühnenvereinspräsident Carsten Brosda unterstreicht im Vorfeld der Jahrestagung, wie wichtig es ist, dass die Entscheidungsträger:innen der deutschen Kulturbranche zusammenkommen, um gemeinsam Strategien für den Umgang mit Herausforderungen wie den Rechtsruck in der Gesellschaft oder die finanzielle Notlage der Kommunen zu entwickeln: 

»Die Freiheit der Künste steht unter Druck. Gesellschaftlich und politisch mehren sich die Fälle, in denen künstlerische Räume verengt werden, weil inhaltliche Positionen nicht aushaltbar erscheinen oder weil die Mittel knapper werden. Dass Förderentscheidungen nicht mehr nur rein künstlerisch begründet werden, sorgt ebenso für große Verunsicherung wie der Ausblick auf die Landtagswahlen im Herbst, bei denen Kräfte erfolgreich sein könnten, die bereits ankündigen, inhaltlich Einfluss auf die Kultur nehmen zu wollen. Mit der diesjährigen Jahrestagung des Deutschen Bühnenvereins wollen wir angesichts dieser aufgeheizten Situation Strategien entwickeln, wie wir die Bühnen als Orte der freien Kunst stärken und sichern können.«